Vorstand15. Mai 2013 Gemeinsame Pressemitteilung des Vereinsvorstandes zur offiziellen Abschiedsfeier des Internats

?Verantwortlicher hält Leichenrede? 

Die Vereinigung der Ehemaligen kritisiert Landeskirche wegen Internatsschließung

Gaienhofen - Als einen ?geradezu zynisch inszenierten letzten Akt? bezeichnet der Vorstand des Altschülervereins der Evangelischen Internatsschule Schloss Gaienhofen, Sebastian Barth, die Gestaltung des Gottesdienstes, mit dem Landeskirche und Schule am 16. Mai Abschied von der 109-jährigen Internatsgeschichte nehmen. Das traditionsreiche Internat schließt zum Schuljahresende seine Pforten, die Schule wird jedoch als reines Gymnasium mit Realschulzweig weiter bestehen.

?Ausgerechnet der Oberkirchenrat, der das Ende des Internats zu verantworten hat, hält der traditionsreichen Einrichtung nun im Abschlussgottesdienst die Leichenrede. Das ist für uns, die wir realistische ökonomische und pädagogische Chancen für das Internat sahen, nur schwer erträglich?, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins, in dem Hunderte ehemaliger Schülerinnen und Schülern, Mitarbeiter und Förderer des Internats vereint sind.

Der Stiftungsrat der Schulstiftung der Landeskirche hatte den Schließungsbeschluss bereits im Herbst 2010 gefasst. Treibende Kraft war damals der Schulreferent der Landeskirche, Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht. Das Internat, so die damalige offizielle Begründung der Landeskirche, werde wegen angeblich ?unsicherer wirtschaftlicher Perspektiven? und nicht mehr zu rechtfertigender ?Millioneninvestitionen? in die in die Jahre gekommenen Internatsgebäude dicht gemacht.

Eine Initiative aus über 600 Ehemaligen des Internats hatte angeboten, personell und finanzielle Hilfe zu leisten, damit ein von der Landeskirche noch selbst in Auftrag gegebener, durchaus positiver Masterplan umgesetzt werden und dem Internat neue Marktchancen erschlossen werden könnten. Die Bitte, dem Masterplan eine Chance zu geben und den Schließungsbeschluss wenigstens ein Jahr auszusetzen, hatten Oberkirchenrat Schneider-Harpprecht und die Schulstiftung kühl abgelehnt. Nach Ansicht der engagierten Altschüler verfolgten die Kirchenoberen die Schließung des Internats am Bodensee jedoch aus durchsichtigen Gründen: ?Wir sind in den damaligen Verhandlungen zur Überzeugung gekommen, dass die Kirche ihre letzte Internatsschule bewusst hat verhungern lassen, um mit erhofften hohen Verkaufserlösen von Internatsimmobilien am Bodensee mutmaßlich Löcher im nicht durchfinanzierten Kirchenhaushalt zu stopfen?, erklärt der damalige Verhandlungsführer der Altschüler-Initiative, der Konstanzer Unternehmer Michael Veeser (54). ?Wenn die Kirche jetzt ankündigt, sie wolle ?gebührend und nachdenklich? Abschied nehmen, können wir das nur als zynische Inszenierung der Macht bezeichnen?, so Veeser, der Ehrenpräsident der Altschülervereinigung ist.

Hinweis: Die beiden Artikel des Südkurier vom 15. Mai 2013 stehen im Downloadbereich als PDF zu Verfügung.