Tobias Engelsing29. März 2003 Publizist, Lehrer, Theatermann

Nicht wenige Künstler der Bodenseeregion verdanken ihm fortdauernde Publizität. Unermüdlich produzierte er in den vergangenen fünf Jahrzehnten Katalogtexte, Lebensbilder, Lexikabeiträge und Essays über Maler, Dichter und Theaterleute rund um den Dreiländersee. Als Lektor des früher in Konstanz ansässigen Jan Thorbecke-Verlags war Herbert Schläger Mitte der 50er Jahre einer der prägenden Verlagsmenschen der Bodenseeregion. Als Pädagoge und Theaterleiter der Evangelischen Internatsschule Schloss Gaienhofen ermutigte er Generationen von Schülern zu künstlerisch-publizitistischer Arbeit: Der Schriftsteller Bodo Kirchhoff oder der heutige "Tagesspeigel"-Redaktionsdirektor und frühere SÜDKURIER-Chefredakteur Gerd Appenzeller sind nur zwei von denen, die "Kugelblitz", wie ihn die Internatsschüler nannten, nachhaltig gefördert hat.

Dieser Tage ist Herbert Schläger im 91. Lebensjahr an seinem Altersruhesitz in Mindelheim in Bayern einem tragischen Unfall erlegen. Der immer noch quicklebendige und schriftstellerisch aktive Unruheständler rutschte auf einem vereisten Gehweg aus, stürtze und prallt mit dem Kopf auf einen Stein. Am frühen Morgen des Folgetages erlag Herbert Schläger den schweren Kopfverletzungen, die er sich zugezogen hatte.

Der gebürtige Berliner war nach Kriegsdienst, Gefangenschaft und einer Tätigkeit als Berater der amerikanischen Militärregierung und als Mitarbeiter der ersten wiedergegründeten deutschen Filmzeitung "Der neue Film" im Jahr 1956 mit dem Thorbecke-Verlag von Lindau nach Konstanz gekommen. Gemeinsam mit dem Singener Historiker Berner entstanden erste regionalhistorische und kunstgeschichtliche Buchprojekte.

Ende der 50er Jahre wechselte Schläger als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Englisch an die Internatsschule Schloss Gaienhofen. Dort leitete der zeitweilige Internatsleiter 20 Jahre lang die Theater AG uind den Altschüler-Verein der Schule.

Nach seiner Pensionierung arbeitete Schläger jahrelang für die SÜDKURIER-Kulturredaktion und veröffentlichte zahlreiche Buchbeiträge zur jüngeren Kunstgeschichte der Bodenseeregion. Seine letzte Arbeit galt der Geschichte des Jesuitentheaters in Mindelheim, wo Schläger mit seiner Frau Roswitha zuletzt lebte.

Tobias Engelsing