Südkurier31. August 2010 Bodo Kirchhoff: Internat erhalten

Gaienhofen - Der Schriftsteller Bodo Kirchhoff (61) hat sich in der Debatte um den Erhalt der Internatsschule Schloss Gaienhofen auf die Seite der Befürworter des Internats gestellt. Er unterstützt den Appell von inzwischen über 400 Altschülern, Eltern, Förderern und Mitarbeitern, die von der Evangelischen Landeskirche eine Chance für das traditionsreiche Internat am Bodensee erbitten. Die kirchliche Schulstiftung verfolgt das Ziel, das Internat 2012/13 zu schließen und die Schule nur noch als reine Regionalschule fortzuführen. Bodo Kirchhoff war von 1959 bis 1968 interner Schüler des Internats. In seinem 2007 erschienenen Roman ?Eros und Asche? schildert er die Internatsjahre am Bodensee und gedenkt eines früh gestorbenen Freundes aus dieser Zeit. Im Zusammenhang mit der Missbrauchsdiskussion an kirchlichen Einrichtungen meldete sich Kirchhoff vor einigen Monaten im Magazin ?Der Spiegel? zu Wort und berichtete erstmals von der ihm zugefügten sexuellen Gewalt durch einen Lehrer Anfang der 60er Jahre. Die evangelische Schulstiftung nimmt in ihren aktuellen Schließungsabsichten auch auf diese Missbrauchsdebatte Bezug. Das hält Bodo Kirchhoff für ?Blödsinn?. Fälle aus lange zurück liegender Zeit dürften nicht als Argument heran gezogen werden, das Internat Gaienhofen nun zu schließen. Die Initiative ?Pro Gaienhofen?, die der Schriftsteller als prominenter Ehemaliger unterstützt, setzt sich dagegen mit eigenen Angeboten und finanziellen Förderzusagen dafür ein, die Internatsschule wieder wettbewerbsfähig zu machen. Am 9. September soll die Schulstiftung nach dem Willen des zuständigen Oberkirchenrats Christoph Schneider-Harpprecht einen zunächst gescheiterten Schließungsbeschluss erneut fassen und damit das Schicksal des Internats besiegeln.