Südkurier18. August 2010 Internatsschule soll Chance bekommen

Südkurier, 18.8.2010

Ehemalige Schüler appellieren an die Landeskirche und bieten mehr Geld für Stipendien an.

Gaienhofen ? Die traditionsreiche Internatsschule Schloss Gaienhofen am Bodensee soll weiter bestehen bleiben, zumindest wenn es nach dem Willen der ehemaligen Schüler geht. Rund 250 Altschüler haben einen Appell ?Pro Gaienhofen? unterzeichnet, den sie an die Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche in Baden richten, die Träger des Internats ist.

Die Kirche, die ihre Zuschüsse an ihre Schulen reduzieren wird, verfolgt das Ziel, das Gaienhofener Internat zum Schuljahr 2012/13 zu schließen und die Einrichtung künftig als reine Regionalschule mit Gymnasium, Wirtschaftsgymnasium und neuem Realschulzweig weiter zu führen. Gegen diese Schließungsabsicht des Internats wende sich der rund 1000 Mitglieder zählende Altschülerverein. Der Verein begrüße die Erweiterungspläne, kämpfe aber für den Erhalt des Internats und somit das ?Alleinstellungsmerkmals? der Gaienhofener Schule, schreibt der Sprecher der Pro-Gaienhofen-Initiative, der Konstanzer Museumsdirektor Tobias Engelsing, in einer Pressemitteilung.

Er hat gemeinsam mit dem Konstanzer Unternehmer Michael Veeser direkte Verhandlungen mit dem Oberkirchenrat geführt. Im Anschluss daran richteten die Ehemaligen nun einen Appell an die Trägerstiftung in Karlsruhe, der Internatsschule eine befristete Chance zur Zukunftssicherung zu geben. Der Vorschlag: ?Die Schule würde sich verpflichten, die wegen der wirtschaftlichen Gesamtlage gesunkene Internatsbelegung bis zum Herbst 2011 um etwa 30 Prozent zu steigern. Auch sollen ehrgeizige pädagogische Inhalte eines jüngst erarbeiteten ?Masterplans Gaienhofen 2020? zügig umgesetzt werden.? Der Ehemaligenverein sagt der Schule im Gegenzug wesentlich höhere Stipendiengelder und eine Reihe von Leistungen für die Internatsschule zu.

Den Appell, für den auch weiterhin Unterstützungszusagen gesammelt werden, zeichneten nach Angaben der Initiative bislang namhafte Absolventen des 1904 gegründeten und seit 1946 von der Evangelischen Kirche geführten Internats. So etwa der Herausgeber des Berliner ?Tagesspiegel? und frühere SÜDKURIER-Chefredakteur Gerd Appenzeller, der Sohn des Dramatikers Rolf Hochhuth, Professor Martin Hochhuth, der Berliner Filmemacher Douglas Wolfsperger und zahlreiche Ehemalige aus aller Welt, die ihrer Schule am Bodensee als Förderer noch immer verbunden sind.

Die Entscheidung über das Internat wird Anfang September im Stiftungsrat in Karlsruhe fallen. Der Altschülerverein unterhält ein weltweit gespanntes Netzwerk aus ehemaligen Schülern und Förderern und unterstützt das Internat seit Jahrzehnten mit Stipendiengeldern, Berufsberatung und anderer Hilfe.