Ehrenvorstand und Vorstand16. August 2010 Appell an die Schulstiftung

Liebe Ehemalige, Freunde und Förderer der Internatsschule Schloss Gaienhofen,

wir danken Euch für Eure vielfältigen Schreiben, Anrufe, Mails und Eure Zusagen, an einem Rettungskonzept für das Internat materiell und ideell mitwirken zu wollen! Wir brauchen noch weitere Unterstützung, bitte schreibt uns und unterzeichnet den beifolgenden Appell "Pro Gaienhofern" mit - kurze Mail mit Name, Titel, Beruf, Stadt an info@freundeskreis-gaienhofen.de genügt.

Die Lage für den Fortbestand der Internatsschule ist ernst, denn die Landeskirche will sich aus der Internatserziehung zurückziehen. Unsere Ehrenvorstände Michael Veeser und Tobias Engelsing sind am 13. August 2013 nach Karlsruhe gereist und haben im Auftrag des Altschülervereins mit dem zuständigen Oberkirchenrat Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht über mögliche Zukunftsoptionen trotz der bisherigen Linie der Kirche verhandelt. Dabei konnte eine mögliche Chance für unser Internat aufgezeigt werden, über die nun der Stiftungsrat der Ev. Schulstiftung in Baden erneut zu befinden hat. Den Text des Appells fügen wir bei.

Wir haben als Altschülerverein das Möglichste herausverhandelt, nun liegt es an der Landeskirche und an Gaienhofen selbst, für diese letzte Chance zu kämpfen. Wir als Ehemalige jedenfalls stehen bereit, unsere Angebote umzusetzen, wenn Gaienhofen als Internatsschule eine Chance bekommen sollte. Bitte unterstützt uns dann auch durch Eure aktive Mitwirkung!

Mit herzlichen Grüßen vom Bodensee

die alten und neuen Vorstände

An den

Vorstand und Stiftungsrat der Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche Baden

16. August 2010

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Schneider-Harpprecht,

sehr geehrter Herr Dr. Badenhoop,

verehrte Mitglieder des Stiftungsrats,

mit großer Bestürzung haben wir als Altschüler der Evangelischen Internatsschule Schloss Gaienhofen von der beabsichtigten Schließung des Internats erfahren. Wir waren deshalb sehr dankbar, dass unsere Ehrenvorstände Michael Veeser und Dr. Tobias Engelsing ? nach den ersten und teils heftigen Wellen der Trauer und Verärgerung aus dem Kreis zahlreicher engagierter Altschüler ? am vergangenen Freitag Gelegenheit hatten, in einem langen und vertrauensvollen Gespräch mit Ihnen, sehr geehrter Herr Schneider-Harpprecht, konstruktive Perspektiven erörtern zu können.

Sie haben in diesem Gespräch deutlich gemacht, dass in der Landeskirche ein tiefreichender Richtungswechsel hin zu unbedingter Wirtschaftlichkeit der Teilgliederungen und zugehörender Institutionen stattgefunden habe. Diesen Maßstab legen Sie auch an die Internatsschule Schloss Gaienhofen an, deren Belegungszahlen in den vergangenen Jahren auch für uns als unterstützende Ehemalige nicht mehr befriedigend waren. Wir übersehen als kritisch-solidarische Begleiter unserer alten Internatsschule auch nicht, dass angesichts des unbestreitbar härter umkämpften Internatsmarktes in Gaienhofen nötige pädagogische Reformen, neue Konzepte und Vertriebsanstrengungen bislang nicht im erforderlichen Umfang angepackt wurden. Zugleich sind uns als Förderern und Mäzenen der Internatsschule aber auch die augenscheinliche Vernachlässigung der Internatsschule in Fragen des Bauunterhalts und die fehlende Unterstützung des Trägers in Fragen des Vertriebs und der Werbung aufgefallen.

Doch nun haben angesichts der ultimativen Forderung nach mehr Wirtschaftlichkeit die Schulleitung, die Verwaltung und die Gremien der Schule endlich die Zeichen der Zeit erkannt und auf der Basis Ihres Auftrags einen ?Masterplan Gaienhofen 2020? erarbeitet. Dieser Masterplan, der uns überzeugend präsentiert wurde, belegt für uns eindrucksvoll: Gaienhofen kann es als Internatsschule schaffen, wenn sich Stiftung, Verantwortliche und Mitarbeiterschaft vor Ort auf den Geist der evangelisch geprägten Bildungsarbeit besinnen und ihn wieder leben. Einen Geist, der dieses Internat über Jahrzehnte prägte und auszeichnete. Unter anderem mit einem in naher Zukunft neu einzurichtenden Realschulzweig und einer sofort umsetzbaren pädagogischen Konzeption, die neben verbindlichen Engagements und klarer Wertevermittlung auch wieder mehr Mut zum gelebten Glauben zeigt, können neue Kundenkreise gewonnen werden. Die Internatsschule Schloss Gaienhofen erfreut sich nach wie vor eines traditionsreichen Rufs und sie bietet auch durch ihren herausragend schön gelegenen Campus direkt am Bodensee alle Möglichkeiten, sich auf dem hart umkämpften Internatsmarkt wieder besser positionieren zu können.

Das neue Konzept des Masterplans erfüllt sogar ausdrücklich die harte und durchaus diskussionswürdige Vorgabe des Stiftungsvorstands, Gaienhofen müsse ab 2016 auf kirchliche Zuschüsse komplett verzichten können und sich selbst tragen.

Dass dieses Konzept nur mit außerordentlichem Engagement der Schul- und Internatsleitung sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich sein, kann, darüber sind sich alle Beteiligten im klaren. Sie erklären, wovon wir uns selbst in mehreren Gesprächen überzeugt haben, ihre unbedingte Bereitschaft hierzu. Die Ehemaligen des Altschülervereins glauben Schulleitung und Mitarbeiterschaft und sind ihrerseits bereit, konkrete Beiträge dazu zu leisten.

Die Mehrheit des Oberkirchenrats, des Landeskirchenrats und des Stiftungsrats sind, wie Sie uns, verehrter Herr Schneider-Harpprecht, berichteten, jedoch der Auffassung, die Internatsschule Schloss Gaienhofen werde es nicht schaffen, ihren Masterplan umzusetzen. Deshalb solle die insgesamt 106 Jahre währende Internatstradition (wovon 64 Jahre evangelische Internatspädagogik waren) jetzt beendet werden.

Sie haben uns auf unsere nachdrückliche Bemühung hin aber auch signalisiert, verehrter Herr Schneider-Harpprecht, dass das Vorliegen ?glaubwürdiger Argumente? für ein deutliches Ansteigen der Internatszahlen im Stiftungsrat eine Chance eröffnen könnte, die Schließungsabsicht vorübergehend nicht aktiv weiter zu verfolgen, sondern erst in einem Jahr zu überprüfen. Dieses Signal begrüßen wir sehr! Sie würden sich überdies damit keine Option vergeben: Der landeskirchliche Haushalt wird erst im Herbst 2011 beraten und beschlossen, ein neu und mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit aller Stimmberechtigten gefasster Schließungsbeschluss wäre dann möglich und könnte immer noch auf 2012/13 wirksam werden. Allerdings dürfte er, entgegen Ihrer Absicht, sehr geehrter Herr Schneider-Harpprecht, auch keinesfalls früher gefällt werden: Denn dann stünden nach einfacher Logik alle werblichen und vertriebsseitigen Bemühungen, die Internatsbelegung zu steigern, unter dem negativen Marktsignal der öffentlich erneut erklärten Schließungsabsicht.

Würden Sie, verehrte Stiftungsmitglieder, Gaienhofen aber eine zeitlicht befristete letzte Chance geben, dann sollte es Schulleitung, Mitarbeitern, Eltern, Förderern und Ehemaligen in einer großen gemeinsamen Anstrengung gelingen, ein ehrgeiziges Ziel zu realisieren, das Sie als ?glaubwürdiges Argument? akzeptieren könnten:

Die Internatsschule würde sich verpflichten, die jetzt bei etwa 60 Internatschülerinnen und Schülern liegende Belegung bis zum Herbst 2011 auf die Zielgröße von etwa 75 Schülerinnen und Schüler zu steigern. Für diese Option wollen wir Sie gewinnen und um diese Chance für Gaienhofen wollen wir Sie herzlich bitten!

Dieser erste Schritt sollte ohne wesentliche zusätzliche Investitionen durch die Stiftung zu schaffen sein. Nur das GA II-Haus muss durch Schönheitsreparaturen unverzüglich aufgewertet werden. Mit erreichter Steigerung der Belegungszahlen müsste dann der Masterplan inklusive einiger unstrittig nötiger und lange zugesagter Bauinvestitionen Zug um Zug umgesetzt werden, um die Zielvorgabe nachhaltiger Wirtschaftlichkeit zu erreichen.

Wir appellieren an Sie, verehrte Mitglieder der Stiftung: Geben Sie Gaienhofen eine faire und zeitlich realistische Chance, seine Zukunftsfähigkeit als evangelische Internatsschule und ausgezeichnete Bildungseinrichtung zu belegen.

Glauben auch Sie an die Notwendigkeit einer christlich geprägten Internatspädagogik gerade auch für Kinder, die ein ?zweites Zuhause? brauchen. Viele von uns, die seit 1946 dieses Internat besucht haben, fanden dort Ermutigung und Stärkung der eigenen Fähigkeiten, eine exzellente Bildung und menschliche Vorbilder. Wir entwickelten in besonderem Maße Leistungsbereitschaft und die Fähigkeit zur Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung. Wir fanden Freunde fürs Leben und knüpften in über sechs Jahrzehnten Internatsgeschichte ein wertegebundenes Netzwerk, das heute über die ganze Welt reicht. Dieses Netzwerk ist für die Internatsschule Gaienhofen noch immer ein verlässlicher Partner.

Dazu stehen wir auch jetzt in der Stunde der äußersten Existenzgefährdung: Wenn sich die Schulstiftung dazu entschließt, der Internatsschule Gaienhofen eine befristete Chance zur Umsetzung des optimierten Konzepts zu geben, werden auch wir Ehemalige tatkräftige Beiträge dazu leisten:

So werden wir ? vorbehaltlich der zuversichtlich erwartbaren Genehmigung durch unsere Mitgliederversammlung - Stipendiengelder für Internatsschüler auf die Dauer von zunächst 3 Jahren in Höhe von mindestens 100.000 Euro zur Verfügung stellen. Diese Stipendien werden im Rahmen des bis heute von Ehemaligenspenden getragenen ?Otto-Dix-Stipendienfonds? ausgeschrieben, beworben und zügig mit der Schulleitung vergeben.

Die aktuellen Unterstützungszusagen nutzend werden wir bei unseren Mitgliedern in einer großen Solidaritätsaktion zusätzliche Mittel einwerben, die unmittelbar der Arbeit im Internat zugute kommen können.

Wir entwickeln und realisieren gemeinsam mit der Kommunikationsagentur der Schule eine personalisierte Internatswerbekampagne unter Einsatz ?gestandener? Gaienhofener Ehemaliger (siehe beifolgende Unterstützerliste).

Erfahrene Praktiker aus dem Kreis der Ehemaligen stellen sich in der Realisierungsphase des neuen Konzepts und im ökonomischen Konsolidierungskurs kostenlos als prozessbegleitende Berater zur Verfügung.

Wir werden das in Kürze beginnende Europa-Stipendium und das bereits erfolgreich laufende Guilford-Stipendium weiterhin finanziell unterstützen.

Wir richten auch weiterhin für jede Oberstufe die Studien- und Berufsberatung ?Zukunftsforum? als intensives Wochenendseminar der Ehemaligen für heutige Schülerinnen und Schüler aus.

Die geplanten Schwerpunkt-Arbeitsgemeinschaften (?Gilden?) im Rahmen des neuen Internatskonzepts werden von einschlägig engagierten und vorerfahrenen Ehemaligen und vom Verein gefördert und unterstützt werden.

Wir werden weiterhin berufsorientierende Praktika, Starthilfen und die Aktion ?Gaienhofener in aller Welt? als Anlaufstation für künftige Absolventinnen und Absolventen anbieten, vermitteln und unterstützen.

Jüngere Internatsehemalige stehen künftig an Eltern-Informationstagen als ?Testimonials? für Orientierungsgespräche mit potenziellen Internatsschülerinnen und Internatsschülern zur Verfügung.

Die fast 1000 im Altschülerverein versammelten Gaienhofener aus aller Welt bitten und appellieren an Sie: Stehen Sie zum Satzungszweck und damit zur Verfassungsurkunde der Schulstiftung und tragen Sie das Gaienhofener Internat weiter mit. Unterstützen Sie die Schulleitung und die Gremien in ihrem Bemühen, der traditionsreichen Internatsschule eine pädagogisch überzeugende und ökonomisch tragfähige Zukunft zu eröffnen!

Vorstand und Ehrenvorstand grüßen Sie freundlich im Namen der Mitglieder der Altschülervereins

Dr. Tobias Engelsing, Museumsdirektor, Konstanz,

Michael Veeser, Unternehmer, Konstanz

Michael Blank, Bankkaufmann, London

Dr. Patrick Cettier, Bankier, Lausanne

Sebastian Barth, stud. phil, St. Gallen

Marc Wallaschek, stud. phil., Konstanz

Die seit dem 09. 08. 2010 aufliegende offene Unterstützerliste

?Pro Internatsschule Gaienhofen? wurde bis zum Stand 09.09.2010

von folgenden Ehemaligen, Förderern, Eltern und mit der Internatsschule verbundenen Personen unterzeichnet:

Die Liste der Unterzeichner des Appels ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mehr online abrufbar.