Benedikt Richter01. November 2003 Auslandspraktikum in London

Zukunftsforum des Freundes- und Förderkreis als Wegweiser

Man fährt eine gute Stunde vom außerhalb der Stadt gelegenen Flughafen Stansted ins Zentrum Londons und von dort weitere 45 Minuten in den südlichen Stadtteil Brockley, wo ich mit Hilfe eines überalterten Stadtplans schließlich meine Wohnung finde. Genauer gesagt ist es eine Wohngemeinschaft: die nächsten 4 Wochen werde ich mit einem kürzlich promovierten Arzt, einem schottischen Journalisten und einem jungen Amerikaner zusammenwohnen. Arbeiten werde ich im selben Unternehmen wie die beiden Letztgenannten, als Praktikant beim Sport- und Lifestylemagazin ?LONDON SPORT?? Das alles passiert im Sommer 2003.

Es gibt viele verschiedene Motivationen für einen Auslandsaufenthalt, und die Form dieses Vorhabens kann sehr variieren. Ob als Weltreise, Sprachurlaub oder Praktikum, man verbessert seine Sprachkenntnisse, lernt Stadt, Land, Leute kennen - in meinem Fall auch das Arbeitsleben -, und genießt ein bisschen Abenteuer beim Einstieg ins selbständige Leben.

Die vage Idee eines Auslandspraktikums entwickelte ich im Laufe der 13. Klasse, wurde jedoch erst richtig aufmerksam auf die mir offenstehenden Möglichkeiten während des diesjährigen Zukunftsforums des Freundes- und Förderkreis, unter anderem im neuerlich angebotenen Workshop ?Beruf und Studium im Ausland? und im Beratungsgespräch mit den beiden Ehemaligen Michael Blank und Patrick Cettier. Mit beiden blieb ich von diesem Zeitpunkt an über eMail in ständigem Kontakt, wir sprachen über meine Vorstellungen und die daraus resultierenden Einsatzmöglichkeiten. Wenige Wochen vor dem Abitur erhielt ich dann schließlich die Nachricht von einem verfügbaren Praktikumplatz bei einem neuen Sportmagazin direkt in der britischen Metropole. Der Flug dorthin war schnell gebucht, preislich dank Ryanair auch im grünen Bereich. Das Hauptproblem bestand darin, eine für den Geldbeutel passende Wohnung zu finden, was in London für Schüler und Studenten schier unmöglich ist. Über den Herausgeber des Sportmagazins fand ich dann jedoch nach wochenlanger Suche endlich jene WG.

Zurück im heißesten Sommer aller Zeiten: In einem Großraumbüro (ohne Klimaanlage) ganz in der Nähe des Bankenviertels arbeite ich zusammen mit 15 netten Sekretärinnen, Redakteuren, Editoren und Werbefachleuten. Die Arbeit ist neu und ungewohnt, doch auf jeden Fall herausfordernd und interessant: man stelle sich vor, gleich am ersten Tag eine Telefonaktion auf Englisch starten zu dürfen. Zusätzlich lerne ich die Tätigkeiten der Marketingabteilung oder die des Redakteurs kennen, arbeite mit Computerprogrammen oder im Internet. Das spannendste sind natürlich die Berichterstattungen vor Ort, ob beim Red Bull Flugtag mit 150,000 Leuten im Hyde Park oder beim Leichtathletik Grand Prix, wo ich mit den großen Stars ins Gespräch komme und ans VIP-Buffet darf. So ein Presseausweis hat schon was!

Entscheidend bereichernd für meine Sprachkenntnisse ist, dass ich den ganzen Tag mit der englischen Sprache konfrontiert bin, und dabei die wichtigste Hürde überwinde, indem ich den Mut gewinne, munter drauf los zu reden. Auch nach der Arbeit und am Wochenende finde ich in Alan, meinem amerikanischen Mitbewohner, einen passenden Gesprächspartner. Er begleitet mich auch manchmal bei meinem ausgiebigen Sightseeing-Programm quer durch London: Big Ben, Tower Bridge, Madame Tussaud?s, Museen, Parks?

Und was wäre London ohne den regelmäßigen Besuch der legendären englischen Pubs; da diese jedoch bereits abends um elf Uhr Sperrstunde haben, wird die Nacht nicht selten in einem der vielen Szene-Clubs fortgesetzt.

Auch mit Michael Blank bin ich viel unterwegs, tagsüber zeigt er mir unter anderem seinen Arbeitsplatz in einem beeindruckenden Bankenkomplex oder Londons einziges Outdoor-Schwimmbad und abends kennt er natürlich die lohnenswerten Partyzentren der Stadt.

In einer späteren Bewerbung auf einen Arbeitsplatz findet sich ein solches Praktikum hoffentlich nicht nur als kleine Randnotiz; tatsächlich birgt es nämlich eine unglaubliche Fülle von Erfahrungen, die jeder auf seine eigene Art und Weise erlebt. Natürlich bedeutet es eine große finanzielle Eigeninvestition, da Schüler und Abiturienten im Praktikum generell nicht bezahlt werden, letztendlich kann ich aber wirklich sagen: es hat sich gelohnt.

Vielen Dank, Michael, für das großartige Engagement, die Mithilfe bei der Planung und natürlich die vielen gemeinsamen und erlebnisreichen Stunden in London.

Benedikt Richter

Anm. d. Red.: Benedikt hat im Juli 2003 Abitur gemacht, arbeitete von Ende Juli bis Ende August 2003 bei London Sport (www.ls-magazine.co.uk) und studiert seit Oktober 2003 Wirtschaftswissenschaften in St. Gallen. Nach den guten Erfahrungen und der engagierten Mithilfe bei London Sport hat der Herausgeber des Magazins schon nach weiteren Praktikanten aus Gaienhofen angefragt.